Selektive Toleranz

DISCLAIMER: Ich werde mich in diesem Artikel überwiegend auf meine Erfahrungen in sozialen Medien sowie mein Umfeld im echten Leben fokussieren, und meine Sicht der Dinge veröffentlichen. Will heißen? Das was hier drin steht, muss nicht zwingend Deine Meinung sein. Das was hier drin steht, das muss auch nicht zwingend korrekt sein. Geschweigedenn mit Fakten untermauert. Es ist lediglich mein Standpunkt. So sehe ich eben diese Dinge. (Ich fühle mich genötigt, das extra so groß und breit zu erwähnen, weil sich nachher sonst irgendwer sicherlich aufregen wird!) Aber jetzt weiter im Text:

Toleranz. Was für ein wundervoller Begriff. Aber was genau heißt das überhaupt...? Wikipedia hat hier folgende Definition in petto:

"Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten. Umgangssprachlich ist damit heute häufig auch die Anerkennung einer Gleichberechtigung gemeint, die jedoch über den eigentlichen Begriff („Duldung“) hinausgeht."

Nun ist es - denke ich - nur logisch, wenn man nach vollkommener Toleranz gegenüber unschädlichen Dingen strebt, sprich: Klar, einen Amokläufer muss ich jetzt nicht tolerieren, aber Dinge und Sachen die mir nichts tun, die kann ich ja auch einfach tolerieren und akzeptieren. Schließlich will man ja niemanden diskriminieren. An sich ein lobenswerter und guter Gedanke. Wenn er denn nur hundertprozentig funktionieren würde.

Was meine ich damit? Nunja, ich erlebe es oftmals, dass man seine Meinung kaum noch frei äußern darf, ohne dass direkt 50 Leute ihren Senf dazugeben. Ob das nun Zustimmung, Ablehnung, Korrektur, oder andere Anmerkungen sind, spielt hierbei zunächst eine untergeordnete Rolle. Fakt ist: Man bleibt heutzutage einfach nirgends mehr unkommentiert. Das kann einerseits schön sein, da man so ein Feedback zu seinen Aussagen bekommt, andererseits kann genau das aber eben auch scheiße sein! Denn... so findet sehr schnell eine Grüppchenbildung statt - stellen wir uns vor, ich fände Justin Bieber cool, würde das öffentlich irgendwo posten, und zehn weitere Menschen kommen an und gesellen sich mit der selben Meinung zu mir. Stellen wir uns jetzt nämlich zusätzlich mal vor, da käme jetzt jemand vorbei, der... sagen wir... Die Ärzte hört. Das passt den Bieber-Fans so gar nicht, und weil man ja in der Überzahl (und sowieso in seiner Gruppe) ist, wird das auch schnell mal lauthals verkündet. Wie kann man denn nur die Ärzte hören? Die haben so komische Texte... Und wie die überhaupt auch aussehen... Und wer hört denn schon deutschsprachige Musik?
Nun kann man davon ausgehen, dass die Justin-Fangruppe noch nie einen kompletten Song der Ärzte gehört hat, geschweigedenn sich anderweitig auf dieses Thema eingelassen hat. Dennoch wird vorverurteilt und sinngemäß gesagt: Dein Musikgeschmack ist scheiße!

Warum ich so breit und groß über dieses Beispiel spreche? Das liegt ganz einfach daran, dass ich in meiner... nennen wir sie... "Twitter-Community"... oftmals das Gefühl habe, dass ich beispielsweise auch nur bedingt sagen darf, dass ich gerne House, EnB, Trap, Dubstep, und sonstiges Electro-zeug höre. Denn oftmals wurde mir zu verstehen gegeben, dass Musik ohne wirklich tiefgehenden Text, oder einfach auch nur Musik die nicht weitestgehend Punk, Rock, oder ähnliches ist, keine wirkliche Musik ist. Und dass man die ja nicht hören kann. Ich glaube (auch wenn ich die Band nicht höre), es reicht, wenn ich das Stichwort Nickelback fallen lasse. Wenn ich auf Twitter schreiben würde, dass ich die Musik von Nickelback hören würde... ich würde zehntausende Kommentare dazu bekommen, und stark belächelt.
Und Musik ist da ja bei weitem nicht das einzige Thema, bei dem ausgegrenzt wird. Es geht teils bis zum Geschlecht und zur Sexualität.

Ich möchte das fast schon als Selektive Toleranz bezeichnen. "Wer nicht reinpasst, den mag ich nicht!" So übertrieben würde das selbstverständlich niemand sagen. Ich denke auch nicht, dass den meisten überhaupt bewusst ist, dass sie nach so einem Grundsatz agieren. Das ist vielmehr eine unterbewusste Sache, die was mit Grüppchenbildung und sozialem Druck zu tun hat. Wenn alle sagen, dass irgendetwas blöd sei, dann übernehmen viele "Neumitglieder" der Gruppe halt oftmals jene Meinung, ohne zu hinterfragen.

An dieser Stelle möchte ich noch zusätzlich schreiben: Nein, natürlich bin ich da kein Unschuldsengel. Ein Beispiel was mich persönlich betrifft: Apple. Leute die mir schon länger auf Twitter folgen wissen, dass ich mich mal durch so gut wie jeden Apple-Tweet in meiner Timeline habe triggern lassen. Ich habe immer krampfhaft versucht, irgendwelche Negativpunkte an der Marke zu suchen, ohne mich überhaupt richtig mit den Produkten an sich auseinanderzusetzen. Einfach weil die allererste "Gruppe" in der ich einigermaßen als normaler Mensch behandelt wurde die Meinung vertrat: "Apple ist scheiße!". Es hat lang gedauert, bis ich das für mich erkannt habe. Sehr lange. Und noch viel länger, bis ich proaktiv irgendwas dagegen unternommen habe, aber ich denke, langsam werde ich was das Thema angeht neutraler.
Und genau so lässt sich das - denke ich - für viele andere Themengebiete und ähnliches adaptieren. Meinungen werden übernommen, ohne zu hinterfragen: Unter anderem aus Angst, nicht anerkannt zu werden. Und das finde ich schade. Wer sich als tolerant bezeichnet, sollte auch in der Lage sein, zu hinterfragen. Nicht immer blind alles abzustempeln. Denn im Grunde genommen ist das ja das, was man als toleranter Mensch den Intoleranten vorwirft.

Das ist übrigens eine Sache die mich schon lang beschäftigt. Nicht zuletzt auch, weil ich mit meiner Meinung (und unter anderem auch meinem Musikgeschmack ^^) oftmals angeeckt bin. Zuallererst habe ich mich vor fast einem halben Jahr auf meinem privaten Twitteraccount darüber aufgeregt:


Ich bin mir übrigens sehrwohl der Tatsache bewusst, dass ich hierdurch eventuell einige Menschen verärgen, nerven, vertreiben, beleidigen, oder was weiß ich werde. Das ist mir an dieser Stelle allerdings schlichtweg egal.
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